Lactose-Intoleranz


Die Milchzuckerunverträglichkeit (Lactoseintoleranz) ist eine häufige Störung der Darmfunktion. Der Darm ist nicht in der Lage, Milchzucker aus der Nahrung aufzunehmen. Betroffen sind etwa 10 % der deutschen Bevölkerung; in anderen Ländern wie z.B. China oder in Afrika haben bis zu 90 % aller Erwachsenen eine Lactoseintoleranz!
Der Milchzucker (Lactose) ist ein Zucker, der aus 2 Einfachzuckern zusammengesetzt ist. Er muss aufgespalten werden, damit die Dünndarmschleimhaut ihn aufnehmen kann. Eine Störung der Aufnahme des Milchzuckers liegt immer dann vor, wenn das Enzym Laktase, das den Zucker im Darm spaltet, fehlt. Man spricht daher auch von einem Disaccharidase-Mangel.

Was ist ein Lactose-Intoleranz?

Bei kleinen Kindern äußert sich die Milchzuckerunverträglichkeit vor allem in Form von Durchfällen. Manche der Kinder nehmen nicht gut an Gewicht zu. Bei größeren Kindern und Erwachsenen fallen häufig Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Völlegefühl, Blähungen, ein durch Gase vorgewölbter Bauch, Übelkeit oder Durchfall auf. Es ist wichtig die Ursache der Probleme von einem Arzt austesten zu lassen, denn die Zuordnung von Unvertäglichkeitsreaktionen auf die Ursache ist nicht trivial.

 

Ähnliche Symptome kommen bei Laktose-, Gluten-, Fruktose-, Histamin-Intoleranz und Reizdarm-Syndrom vor. In Afrika, wo der Milchkonsum erst seit der Kolonialisierung bekannt ist, liegt der Anteil der Lactoseintoleranzen bei 98%, in Deutschland zwischen 10% und 15%. Die Fähigkeit die Lactose der Milch im Darm abzubauen hat sich in den letzten 10000 Jahren der Menschheit in den Bevölkerungsteilen die zur Calciumversorgung auf Milch setzten entwickelt.

Ursachen und Dauer der Milchzuckerunverträglichkeit ?

Die Enzymschwäche des Darms kann zwei Ursachen haben:

  • Bei einem Teil der Patienten kommt es nach Magen-Darm-Infekten, bei Infektionen mit Parasiten (speziell Lamblien) oder bei anderen Darmerkrankungen vorübergehend zu einer Beeinträchtigung der Milchzuckerspaltung.
  • Bei einem anderen Teil der Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit liegt eine vererbte (genetisch bedingte) Form vor. Dies ist besonders häufig bei Patienten der Fall, die aus dem fernen Osten oder Afrika stammen, aber auch 10% der deutschen Bevölkerung ist davon betroffen. Vererbte Milchzuckerunverträglichkeiten, d. h. genetisch bedingte, kommen auch bei Kindern von solchen Eltern vor, die ihrerseits den Milchzucker problemlos vertragen (Eltern als gesunde Genträger).

Eine Unterscheidung zwischen vererbter und erworbener Milchzuckerunverträglichkeit ist oft nur im Verlauf oder durch eingreifendere Untersuchungen möglich. Meistens werden zunächst Stuhluntersuchungen auf bestimmte Keime/Parasiten (Lamblien) durchgeführt und eine Kontrolle des Atemtestes nach 6-12 Monaten.Die Milchzuckerunverträglichkeit darf nicht mit der Milchallergie verwechselt werden! Hier reagiert das Immunsystem auf Kuhmilcheiweiß. Dann muss bei der Diät auf sämtliche Milchprodukte komplett verzichtet werden.

Welche Änderung der Ernährung ist erforderlich?

Wegen der Beschwerden ist es unbedingt sinnvoll, die Milchzuckermenge in der Ernährung zu reduzieren (8 bis 10 g Lactose). In der Regel ist aber eine komplett milchfreie Ernährung nicht erforderlich. Wie viele Milch-produkte Sie bzw. Ihr Kind vertragen, kann man aufgrund der Untersuchungsergebnisse nicht präzise vorhersagen. Es hat sich bewährt, am Anfang sehr konsequent alle Nahrungsmittel, die unter Milchverwendung hergestellt werden, wegzulassen. Bei kompletter Beschwerdefreiheit kann man dann sehr vorsichtig und tageweise die Verträglichkeit einzelner Milchprodukte austesten.Eine Restaktivität des Enzyms Laktase ist häufig vorhanden, so dass geringe Mengen von Milchprodukten und Spuren von Milch in Fertigprodukten vertragen werden! Bei der Austestung der individuellen Verträglichkeit milchzuckerarme Käsesorten und Joghurt bevorzugen. Der Milchzucker im Joghurt ist durch die enthaltenen Bakterien vorverdaut und besonders gut verträglich.

Gibt es Möglichkeiten einer medikamentösen Therapie?

Das fehlende Enzym Laktase kann in Tabletten- oder Pulverform zugeführt werden. Laktase - Präparate können über Apotheken oder auch über Internet (meist rezeptfrei) bezogen werden. Die Stärke der verschiedenen Präparate ist sehr verschieden; man sollte sich in der Dosierung an den Herstellervorschlägen orientieren. Ausserdem muss jeder Mensch seinen eigenen, individuellen Bedarf durch Ausprobieren ermitteln. Das Präparat muss zu jeder milchzuckerhaltigen Mahlzeit zugeführt werden. Die Dosis sollte über das Essen verteilt werden! Laktase-Präparate sind besonders für das Essen ausser Haus eine Alternative zur Diät.

 

Worauf ist bei der Auswahl von Nahrungsmitteln zu achten? >>>